Einsatzleiterwiki

Das elektronische Einsatzleiterhandbuch

Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Action unknown: siteexport_addpage
cbrn:allgemein:cbrn-lexikon:boil-over

Sie befinden sich in der bearbeitbaren Version des Einsatzleiterwiki-Projekts. Klicken Sie hier für allgemeine Informationen zum Projekt.

Diese Version (27.06.2026 12:14) wurde bestätigt durch christoph_ziehr.Die zuvor bestätigte Version (12.03.2025 11:37) ist verfügbar.Diff

Boil-over

 

Der Begriff Boil-over (auch Boilover, engl. für „Überkochen“) bezeichnet das explosionsartige Auswerfen von brennender Flüssigkeit aus einem Lagertank. Dieses Phänomen stellt eines der schwerwiegendsten Risiken bei der Bekämpfung von Tanklagerbränden dar, da es schlagartig zu einer massiven Brandausbreitung und einer Gefährdung von Einsatzkräften weit über den unmittelbaren Tankbereich hinaus führt.

Das Phänomen ist vor allem von Bränden in Rohöl-Tanklagern bekannt. Allerdings ist auch hier ein ähnliches Phänomen - der Thin-Layer-Boilover - möglich. Im kleineren Maßstab ist es vergleichbar mit Fettbränden bzw. -explosionen in der Küche.

Brennt im Tank eine Flüssigkeit die mit Wasser mischbar ist (z.B. Alkohol), so besteht die Gefahr eines Boil-overs nicht. Allerdings ist es in diesem Fall möglich, dass der Tank überläuft und sich brennende Flüssigkeit somit ausbreitet.

Entstehungsmechanismus

Ein klassischer Boilover setzt das gleichzeitige Vorhandensein von drei spezifischen Faktoren voraus:

  • Wasserschicht am Tankboden: In Großtanks befindet sich herkunftbedingt (Rohöl) oder durch Kondensation fast immer eine Schicht Wasser am Boden.
  • Multikomponenten-Kraftstoff: Die brennende Flüssigkeit muss aus einem Gemisch verschiedener Stoffe mit unterschiedlichen Siedepunkten bestehen (z. B. Rohöl oder schweres Heizöl).
  • Ausbildung einer Hitzewelle („Heat Wave“): Während des Brandes verbrennen zuerst die leicht flüchtigen Bestandteile an der Oberfläche. Die schwereren, höhersiedenden Komponenten verbleiben, heizen sich stark auf und sinken aufgrund ihrer höheren Dichte ab. Dadurch bildet sich eine heiße Zone, die als Hitzewelle kontinuierlich nach unten wandert.

Erreicht diese Hitzewelle die Wasserschicht am Tankboden, verdampft das Wasser schlagartig. Da sich Wasser beim Übergang in den gasförmigen Zustand um das ca. 1.700-fache ausdehnt, reißt der entstehende Wasserdampf das darüber liegende brennende Öl mit hoher kinetischer Energie aus dem Tank. Es entsteht ein massiver Feuerball sowie ein unkontrollierter Auswurf brennender Flüssigkeit.

Klassischer Boilover vs. Thin-Layer-Boilover

Es wird zwischen einem klassischen Boilover und dem sogenannten Thin-Layer-Boilover (Dünnschicht-Boilover) unterschieden. Die Abgrenzung erfolgt primär über den Wärmeübertragungsmechanismus und die Schichtdicke des Kraftstoffs.

Merkmal Klassischer Boilover Thin-Layer-Boilover
Kraftstoffart Nur Multikomponenten-Gemische (z. B. Rohöl). Nahezu alle brennbaren Flüssigkeiten (auch Reinstoffe wie Diesel).
Wärmeübertragung Mit Hitzewelle: Absinken heißer Fraktionen durch Entmischung. Ohne Hitzewelle: Direkter Wärmedurchgang der Flamme durch die dünne Schicht.
Schichtdicke Große Mengen / hohe Kraftstoffsäule im Tank. Sehr dünne Flüssigkeitsschichten (z. B. auf Wasserlachen).
Zeitfaktor Tritt meist erst nach mehreren Stunden Branddauer auf. Tritt sehr schnell auf.
Gefahrenpotenzial Extrem hoch: Großflächiger Auswurf brennender Massen über weite Distanzen. Mäßig bis hoch: Heftiges Spritzen und temporäre Flammenvergrößerung, geringere Masse.

Klassischer Boilover

Dieser Prozess ist durch die zeitliche Verzögerung gekennzeichnet, da die Hitzewelle die Kraftstoffsäule erst durchwandern muss. Die Sinkgeschwindigkeit der Hitzewelle beträgt je nach Kraftstoff ca. 0,3 bis 1 Meter pro Stunde. Da beim Erreichen des Bodens meist noch erhebliche Mengen Öl im Tank vorhanden sind, sind die Auswirkungen (Flugfeuer, Zerstörung der Tankstruktur) katastrophal.

Thin-Layer-Boilover (Dünnschicht-Boilover)

Dieses Phänomen tritt auf, wenn eine brennbare Flüssigkeit in einer sehr dünnen Schicht direkt auf einer Wasseroberfläche schwimmt (z. B. bei Leckagen in wassergefüllten Auffangwannen oder auf Gewässern).

  • Eine Entmischung des Kraftstoffs und das Absinken einer Hitzewelle sind hierbei nicht erforderlich. Die thermische Energie der Flamme schlägt aufgrund der geringen Schichtdicke direkt auf die darunter liegende Wasserschicht durch.
  • Das Wasser siedet lokal auf, was zu einem heftigen Knistern, Spritzen und einer plötzlichen, intensiven Vergrößerung der Flammenoberfläche führt.
  • Einsatzrelevanz: Die Reaktion erfolgt extrem rasch nach der Entzündung, klingt jedoch aufgrund der geringen Kraftstoffmasse auch schneller wieder ab.

Quellenangabe

  • Boilover in der englischsprachigen Wikipedia, abgrufen am 27.06.2026

Stichwörter

Boil-over, Ölauswurf, Tankbrandexplosion, Tanküberlaufen, Dünnschichtboilover, Hitzewelle, Heatwave, Rohölbrand

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information

Diskussion

Geben Sie Ihren Kommentar ein. Wiki-Syntax ist zugelassen:
 
cbrn/allgemein/cbrn-lexikon/boil-over.txt · Zuletzt geändert: von christoph_ziehr